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Neue Maßstäbe für den Gütertransport

Kombinierter Verkehr in höheren Dimensionen

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Im Mai forderte die Verbändeallianz bestehend aus VDV, BDB, BÖB, DSLV und SGKV eine europaweite Stärkung des Kombinierten Verkehrs. Im Juni ging nach 24 Monaten Bauzeit das Megahub Lehrte an den Start und hat seinen Betrieb aufgenommen. Das Pilotprojekt von Bund und Bahn setzt Maßstäbe und startet mit einigen Innovationen:

Der 15. Juni 2020 war ein großer Tag für den Kombinierten Verkehr (KV). Nach zweijähriger Bauzeit hat das Megahub in Lehrte bei Hannover seinen Betrieb aufgenommen und so den Güterumschlag zwischen LKW und Zügen begonnen. Damit starten im KV zugleich mehrere Innovationen. Als erste Anlage ihrer Art in Deutschland schlägt das Megahub Ladeeinheiten (v.a. Container, Wechselbehälter oder Sattelauflieger) einzeln um und verteilt diese nach Ziel neu auf die Güterzüge – statt Güterwagen zu rangieren und Züge neu zusammenzustellen. Zeit und Energie soll gespart und die Lärmbelastung gesenkt werden. Auch eine neuartige, vollautomatische Sortieranlage ist Teil des Pilotprojekt des Bundes und der Deutschen Bahn. Güter werden so deutlich schneller und effizienter umgeschlagen. Die Ladeeinheiten werden von drei Hochleistungsportalkränen verladen, die von digital gelenkten Transportfahrzeugen unterstützt werden. Ab Herbst können auch Einheiten zwischen Zügen umgeladen werden. Mit dem Projekt sollen Verkehre für die Schiene gewonnen und die Straße entlastet werden. Bei voller Auslastung sollen bis zu 269000 Einheiten im Jahr umgeschlagen werden können.

Erster Kunde des Megahub ist Hellmann Worldwide Logistics. Mit der Nutzung sei möglich, Routen flexibler zu kombinieren, das intermodale Transportnetz zu verdichten und somit die Versorgungssicherheit der Kunden zu verbessern. Zudem erhöht Hellmann die Kapazitäten, da man Verlade- und Transportzeiten wesentlich verringert. Etwa 40 LKW-Touren zwischen Umschlagslager und bisher genutzten KV-Terminal könnten vermieden und damit sowohl der CO2-Ausstoß maßgeblich reduziert als auch der Verkehr in Hannover entlastet werden. Die gleichzeitig gute Anbindung biete außerdem die Möglichkeit, den KV weiter auszubauen und perspektivisch zusätzliche Züge über den Megahub anzubieten. „Dank der neuen KV-Anlage können wir unsere bisher singulären Zugleistungen zu einem Netzwerk verknüpfen, indem wir angebotene Routen neu kombinieren. Das birgt für uns als Unternehmen erhebliche Wachstumsperspektiven“, meint Dirk Baerbock, deren Head of Multimodal Solutions Europe.

Der KV bietet einige Vorteile für Verkehr, Wirtschaft und Umwelt. Die Verbindung von Straße und Schiene als Transportweg nutzt die Stärken beider Verkehrsträger. Der Schienenverkehr verfügt dank einer zentralen Betriebssteuerung, strukturierten Fahrplänen sowie sorgfältigen Überwachungsmaßnahmen über ein hohes Maß an Sicherheit. Der LKW ist dafür flexibler in der Routenwahl. Durch den KV werden Straßen entlastet, Staus vermieden und anfallende Mautgebühren verringert. Dank der 44-Tonnen-Regelung kann eine größere Gütermenge mit nur einer Ladung transportiert werden. So können Fahrten eingespart, Emissionen verringert und zugleich größere finanzielle Gewinne eingefahren werden. Außerdem reduziert sich der Lärm auf den Straßen. LKWs, welche im Vor- und Nachlauf eingesetzt werden, sind von der Kfz-Steuer befreit und müssen Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen wie zur Ferienzeit nicht einhalten, wenn die zurückgelegte Strecke nicht länger als 200 Kilometer beträgt. Die Fahrer können beim begleiteten KV die Ruhezeiten einhalten, ohne den Transport zu unterbrechen. Der KV hat aber auch Schwächen. Der Güterverkehr ist von Fahrplänen im Schienenverkehr und fixen Routen abhängig. Bei einer Störung der Strecke kann der Zug nicht eben mal auf alternative Routen ausweichen. Neben der eigentlichen Güterlast wird im begleiteten KV viel Totlast mitgeführt, da ein ganzer LKW mittransportiert wird. Auch nicht alle Schienenstrecken in der EU sind darauf ausgerichtet, vier Meter hohe LKWs auf ihren Zügen zu transportieren.

Laut Verbändeallianz fördert der Bund zwar den Bau und Ausbau von Umschlaganlagen für den Güterverkehr seit 1998 – allerdings reiche dies nicht aus. Die Verbändeallianz, die aus VDV, BDB, BÖB, DSLV und SGKV besteht, hat im Mai in einem Positionspapier Vorschläge zur Bewertung der Förderrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums im KV vorgelegt. Darin fordern sie die Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens in der EU zur Angleichung der Wettbewerbsbedingungen innerhalb der Mitgliedstaaten und Bürokratieabbau. Auch stärkere Digitalisierung sowie finanzielle Förderung sei wichtig, die auch Ersatzinvestitionen umfasst. Die Richtlinie und ihre Förderung seien bislang Basis des Erfolges des klimafreundlichen KV und solle zukünftig noch attraktiver werden. Sie sei Schlüssel für mehr Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem reinen Straßengüterverkehr. Wie die Verbände mitteilten, konnte seit 1998 das Beförderungsaufkommen auf ca. 114 Millionen Tonnen fast vervierfacht werden. Seither fördert der Bund Bau und Ausbau von Umschlaganlagen für den Güterverkehr. Um den KV zu stärken, solle die Förderung des Bundes weiter ausgedehnt werden. Auch Brüssel müsse akut die alte Richtlinie modernisieren und an aktuelle Bedürfnisse anpassen, so die Allianz.

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