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Amazon in der Corona-Krise

Profiteur trotz einiger Nebengeräusche

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Der boomende Online-Handel kurbelt das Amazon-Geschäft in der Corona-Krise stark an. Allerdings hat Amazon auch hohe Ausgaben und Sonderkosten, was den Gewinn schrumpfen lässt. Zudem geriet der Konzern wegen seiner Arbeitsbedingungen in die Kritik. Hoher Umsatz, hohe Kosten – der weltgrößte Online-Händler im Corona-Boom:

Zwar hat die Corona-Krise auch hier ihre Spuren hinterlassen und z.B. auch den deutschen Markt hart getroffen. Generell ist die Wachstumskurve des Online-Handel aber bestechend – und wächst weiter stetig. 2019 kauften Kunden weltweit Waren, Güter und Dienstleistungen für 1.730 Milliarden Euro über diesen Einkaufskanal – 18 Prozent mehr als in 2018. Analysen des Statistik-Portals Statista besagen, dass der Online-Handel in den kommenden 5 Jahren im Schnitt um 7,6 Prozent wachsen wird. Online gehandelten Artikeln wie Lebensmitteln, Spielzeuge oder pharmazeutischen Produkten gab der Lockdown einen zusätzlichen Schub.

Allen voran Amazon darf fraglos zu den Profiteuren der Corona-Pandemie gezählt werden. Bereits zu Monatsbeginn hat der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2020 vorgelegt. Diese verdeutlichen: Der weltgrößte Online-Händler ist in der Krise noch gefragter als sonst. Der Umsatz in Q1 stieg – verglichen mit dem Vorjahreswert – um 26 Prozent auf 75,5 Milliarden Dollar. Doch die Krise verursacht auch hohe Kosten, etwa aufgrund einer Einstellungsoffensive angesichts des großen Kundenansturms auf Amazons Lieferdienste. Dieser bevorstehende Kostenanstieg kann im neuen Quartal den gesamten Betriebsgewinn verschlingen. Schon in Q1 fiel der Gewinn um rund 30 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Die größten Belastungen stehen aber noch bevor. Für das laufende Quartal warnte Amazon vor Sonderkosten von rund 4 Milliarden Dollar. Neben Arbeitssicherheit soll v.a. in Lieferlogistik investiert werden. Für das Betriebsergebnis gab Amazon eine Prognose von minus bis plus 1,5 Milliarden Dollar und einen Erlös-Anstieg von 18 bis 28 Prozent ab. Amazon zählt in der Krise dennoch zu den großen Gewinnern. In den letzten 3 Monaten ist der Aktienkurs mehr als 30 Prozent gestiegen und hat neue Rekordhochs erreicht. Davon profitiert auch CEO Jeff Bezos. Sein Vermögen ist seit Jahresbeginn um rund 29 Milliarden auf 143 Milliarden Dollar gestiegen, sodass er seinen Status als reichster Mensch der Welt weiter ausbauen konnte.

Allerdings geriet Amazon wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Krise auch in die Kritik. Mitte April mussten nach einem Gerichtsurteil im Pariser Vorort Nanterre die Logistikzentren in Frankreich geschlossen werden. Voraus ging ein Streit über Corona-Schutzmaßnahmen. Im Urteil wurde erklärt, dass Amazon die Schutzvorkehrungen nicht ausreichend erfüllte. Der Versandhändler durfte derweil nur Bestellungen von bestimmten Artikeln annehmen. Jedoch darf Amazon nun wieder öffnen. Die Arbeit werde über drei Wochen schrittweise starten, so Frankreich-Chef Frédéric Duval. In der ersten Woche geschah dies auf freiwilliger Basis für die Angestellten. Die Schutzmaßnahmen wurden demgemäß angepasst. Die Schließung der Zentren begründete Amazon mit drohenden Milliardenstrafen im Falle eines versehentlichen Versands untersagter Artikel. Das Urteil ist von einer Gewerkschaftsgruppe erwirkt worden.

Auch “infektionsbedingt” war Amazon in den Schlagzeilen. Im niedersächsischen Winsen an der Luhe wurden im Logistikzentrum im März und April 53 Corona-Infektionen festgestellt. Laut Amazon kamen im Mai keine Fälle hinzu, dennoch passt das Unternehmen die Logistik dem Virus an. Die Intralogistik-Prozesse am Standort wurden entsprechend verändert. Mehr als 150 Prozesse wurden angepasst. Vor Betreten des Gebäudes wird die Körpertemperatur der Mitarbeiter mit Wärmebildkameras und Infrarot-Thermometern gemessen. Meetings sind ausgesetzt, ebenso die Versorgung in der Kantine und Touren für externe Besucher. An den Arbeitsstationen wird ein Abstand von zwei Metern garantiert, Arbeitsplätze werden häufiger und länger gereinigt. Gestaffelte Schichtzeiten sollen Knotenpunkte entlasten. Türen blieben geöffnet, um Kontakt zu Türklinken zu vermeiden. Für alle Mitarbeiter stehen Masken bereit. Seinen Versandmitarbeitern zahlt Amazon deutschlandweit bis Ende Mai zwei Euro extra für jede Arbeitsstunde. Auch gilt die Anweisung, dass Mitarbeiter zu Hause bleiben sollen, wenn sie sich krank fühlen. Am Standort Winsen sind in Summe rund 1.800 Menschen beschäftigt.

Währenddessen ist die verlängerte Rückgabefrist für Amazon-Bestellungen abgelaufen, die Mitarbeiter und Kunden in der Krise entlasten sollte. Mit dem Schritt hatte sich Amazon zum einen auf die Kulanz gegenüber Kunden konzentriert, vor allem aber wurden die Mitarbeiter mit der Frist in den Fokus gerückt. Wenn Kunden einen größeren Zeitraum haben, um einen Artikel zurückzuschicken, gibt es auch weniger Retouren, die gleichzeitig in den Lagern von Amazon aufschlagen. Von der Aktion ausgenommen waren dabei alle Marketplace-Anbieter.
Dafür hat Amazon seinen Account-Schutz bei schwacher Liefer-Performance verlängert. Ursprünglich lief dieser aufgrund von Corona am 15. Mai aus. Amazon hatte ihn noch einmal um zwei Wochen verlängert. Bei vermehrt verspäteten Lieferungen, höherer Stornorate und einer höheren Defekt-Rate bei Bestellungen drückt man nun noch bis Ende Mai ein Auge zu.

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