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Corona-Krise: Kommt der zweite Lockdown?

Die jüngsten Entwicklungen und deren Bedeutung für die Logistik

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Während die Corona-Krise bereits jetzt deutliche Spuren in der Wirtschaft hinterlässt, steigen derzeit die relevanten Kennzahlen wieder stark an und bereiten allseits großes Kopfzerbrechen. Es droht sogar ein zweiter Lockdown. Der ungewisse Krisenverlauf bleibt auch grundsätzlich weiterhin ein großes Risiko. Erstmal also keine so positiven Aussichten:

Diese Woche findet der Deutsche Logistik-Kongress statt. Nachdem das Event ursprünglich als Hybrid geplant war, wird der Kongress nun doch rein digital stattfinden. Der BVL hat die Präsenzveranstaltung abgesagt. Beweggrund ist die sich verschärfende Corona-Situation. Angesichts der aktuellen Entwicklungen wurde zudem auch der ursprünglich für den 5. und 6. November vorgesehene Logistik-Kongress des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel auf einen späteren Zeitpunkt im ersten Quartal 2021 verschoben. Die Referenten, die bereits ihre weitere Beteiligung zugesagt haben, und auch andere Inhalte der Veranstaltung werden in ein digitales Format überführt, um in der Planung und Durchführung unabhängig zu sein.

Nicht nur Veranstaltungen stehen aktuell wieder besonderen Herausforderungen gegenüber, sondern die Logistik insgesamt. Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), fürchtet den zweiten Lockdown. Die große Sorge ist, dass viele Betriebe diesen nicht überstehen und es zum Jahresende oder Anfang des nächsten Jahres dann zur großen Insolvenzwelle kommt. Fratzscher rechnet aufgrund der aktuellen Situation mit massiven neuen Beschränkungen für Unternehmen, was für viele fatal wäre. „Ich fürchte, wir werden einen zweiten Lockdown erleben. Nicht so rigoros, nicht so stark wie im ersten, aber er wird kommen“, sagte er. Viele Unternehmen würden das demnach nicht überstehen.

Und das in einer Zeit, in der die Auftragslage bei vielen im Güterkraftverkehr wieder ansteigt. Dem jüngsten Corona-Bericht des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) geht hervor, dass fallweise sogar LKW-Kapazitäten wieder knapp sind. Gerade im Stammkundengeschäft wird spürbare Erholung verzeichnet. Einschränkungen merken die Unternehmen immer noch im Automobilsektor, Maschinen- und Anlagenbau und in der Chemiebranche. Herausforderung ist, dass Klein- und Subunternehmen zuletzt stark Kapazitäten abbauten, die zum Teil nicht mehr gänzlich dem Markt zur Verfügung stehen. Nachfolgend wurden auf dem Spotmarkt auf einzelnen Relationen partiell enorme Anstiege der Tages-Frachtraten registriert. Alles in allem bewegt sich das Preisniveau im Tagesgeschäft aber weiter auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Im KEP-Bereich wird weiter überdurchschnittlich hohes Paketaufkommen verzeichnet. Im internationalen Versandhandel werden länderspezifische Einschränkungen weiter abgebaut. Der bereinigte LKW-Maut-Fahrleistungsindex lag zuletzt rund 0,6 Prozent über Vorkrisenniveaus. Der Trend zur Annäherung an Vorkrisenniveau setzte sich also fort.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant indes weitere Corona-Hilfen. Da viele Betriebe Krisen-bedingt nach wie vor stark belastet sind, will Altmaier nachbessern. Es sollte demnach für Betriebe in Deutschland künftig wieder richtig bergauf gehen. Allerdings könnte das für viele länger dauern. Die bisher bis zum Jahresende laufenden Überbrückungshilfen sollen um ein halbes Jahr bis 30. Juni 2021 verlängert werden. Im Wirtschaftsministerium wird auch an bessere Abschreibungsmöglichkeiten und Elemente eines Unternehmerlohnes gedacht. Erstattet werden bisher fixe Betriebskosten wie Mieten und Pachten. Beklagt hatten Wirtschaftsverbände, dass viele Hilfen nicht ankommen. Für die Überbrückungshilfen hatte der Bund 25 Mrd. Euro eingeplant. Davon wurden bisher jedoch erst 1,1 Mrd. Euro bewilligt.

Wirtschaftsverbände wie etwa der DIHK forderten zielgerichtete Maßnahmen, um Firmen zu unterstützen, die besonders von der Krise betroffen sind. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte, die wirtschaftliche Erholung werde „zäher, als uns lieb sein kann.“ Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der BDA, nannte die von führenden Wirtschaftsinstituten jüngst veröffentlichte Herbstprognose ein klares Warnsignal. Das Vorkrisenniveau werde demnach voraussichtlich erst Ende nächsten Jahres wieder erreicht. Für 2020 erwartet man einen Rückgang des BIP um 5,4 Prozent. Wachstums- und Produktivitäts-Bremsen müssten schnellstens gelöst werden. Problematisch ist besonders auch die Investitionszurückhaltung.

Derweil ist die Logistik – zumindest aus kommunaler Sicht – systemrelevant. Eine Umfrage unter Kommunen in ganz Deutschland, die der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die Initiative Logistikimmobilien (Logix) durchgeführten haben, gelangt zu diesem Ergebnis. 9 von 10 Kommunen schätzen die Logistik demnach als systemrelevant ein. Die Kommunen wurden zu Logistikimmobilien, CO2-Neutralität, Bedeutung von E-Commerce für den lokalen Handel und Nachhaltigkeit befragt. „Überraschend – gerade aus Sicht der Logistikansiedler – ist, dass ein konkretes Verkehrs- und Nachhaltigkeitskonzept einen weitaus höheren Stellenwert hat, als beispielsweise ein ÖPNV-Anschluss oder eine Ausbildungsoffensive für junge Menschen“, skizziert Prof. Christian Kille (FH Würzburg), der die Studie konzipiert hat. Zentrales Element bei der Konzeption, Umsetzung und Bewertung von Logistikansiedlungen für Kommunen sei zudem Nachhaltigkeit. Die Studie werde Endes des Jahres veröffentlicht.

Positiv auch: Der ADAC Truckservice verlängert seine Hilfe und gewährt bis Jahresende der Transportbranche weiter 10 Prozent Nachlass auf die Pannenhilfe. Auch die dreiprozentige Mehrwertsteuersenkung werde weitergegeben. Der Nachlass gilt demnach für alle direkt auf den Notruf-Hotlines eingehenden Pannenmeldungen und wird automatisch auf die gesamte Pannenhilferechnung gewährt. Dazu zählen neben Hilfe-Vermittlung und Einsatzkosten zum Beispiel auch alle Ersatzteile und Reifen sowie Abschleppungen. Trotz spürbarer Einbrüche im ersten Halbjahr 2020 zog der ADAC Truckservice bei der Versorgungssicherheit eine positive Bilanz: „Unsere Pannenhilfe war immer zu 100 Prozent einsatzbereit“, sagte Dirk Fröhlich, Geschäftsführer des ADAC Truckservice. Das Unternehmen habe während der Krise auch keine Kurzarbeit angemeldet, um kurzfristig auftretende Versorgungslücken schließen zu können.

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