Pamyra

Die grüne Transformation der Logistik

Auf dem (langen) Weg zur Klimaneutralität

Die grüne Transformation ist nicht aufzuhalten, diese Erkenntnis hat sich auch in der Logistik durchgesetzt. Die Unternehmen der Branche evolvieren allerdings nicht über Nacht zu grünen Musterschülern, es ist ein langer, teils auch schmerzhafter Prozess. Immer schärfere Auflagen und ein wachsender gesellschaftlicher Druck setzen jedoch einen Prozess in Gang, der immer mehr an Fahrt gewinnt. Und dem Selbstverständnis der Branche entgegensteht, die sich doch eher als Treiber denn als Getriebener sieht:

Die europäische Logistik sichert ihre herausragende Position im globalen Wettbewerb durch einen kontinuierlichen Evolutionsprozess, der Wandel als permanente Aufgabe sieht. Um die Voraussetzungen zu schaffen, sich zu jedem Zeitpunkt der Gegebenheiten anzupassen, sich immer wieder neu zu erfinden und Veränderungen mitzugestalten. Doch die Logistik steuert auf unruhige Zeiten zu. Der Green Deal der EU bringt enorme, in ihrem Ausmaß heute noch gar nicht absehbare Eventualitäten und Unwägbarkeiten mit sich. Sich ständig verändernde Emissionsgrenzwerte, steigende finanzielle Belastungen wie bürokratische Einschränkungen scheinen gewiss. Vor allem verunsichert die Branche, dass niemand weiß, wo das Ende ist.

Auch die Mehrheit der Unternehmen aus der deutschen Automotive-Industrie verknüpft ihre Zukunftsfähigkeit mit dem grünen Wandel, das gaben 61 Prozent der befragten Betriebe aus der Automobilbranche in einer Studie an – allerdings hat nicht mal die Hälfte der Firmen eine funktionierende Strategie. Wie die Studie “Green Transformation in der Automobilindustrie” jedoch auch zeigt, haben 87 Prozent der Betriebe ihr ökologisches Potenzial noch nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. Ihnen fehlt es bisher einfach an einer entsprechenden Strategie oder getroffene Entscheidungen wurden bislang noch nicht konsequent umgesetzt. Auch nur ein Viertel der Befragten schätzt das eigene Unternehmen als „Grünen Vorreiter” ein. Für die Studie wurden im Juli Branchenexperten aus insgesamt 239 Automobilunternehmen befragt.

Die hiesige Automobilindustrie hatte in den letzten Jahren Kritik für ihr zögerliches Angehen des ökologischen Umbaus einstecken müssen. Die schärferen Auflagen und der Druck von außen zeigen hier indes Wirkung. „Die Green Transformation hat insgesamt in der Branche an Fahrt aufgenommen. Doch der Prozess dürfte noch lange dauern und für einige Unternehmen auch sehr schmerzhaft werden”, meint Markus Riegger, Vorstand der Staufen AG, die für die Studie verantwortlich ist. „Umweltbewusstsein ist kein Modethema mehr, sondern wird zunehmend als Selbstverständlichkeit angesehen. Das heißt aber auch, dass ich als Unternehmen bei den zentralen Punkten wie Energieeinsparungen und CO₂-neutraler Energieversorgung liefern muss.”, so Riegger weiter. Anderen Branchen, wie etwa auch der Logistik, kann man aber wohl nicht vorhalten, dass sie sich nicht zum Wohle der Umwelt gewandelt haben. Die letzten Jahre hatten sie sich immer den Vorgaben gestellt.

In einem gemeinsamen Appell hatten im Oktober 69 deutsche Konzerne aus verschiedenen Sektoren mit ihrer Unterschrift von einer künftigen Bundesregierung einen Plan und konkrete Maßnahmen gefordert, damit das Ziel Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 verlässlich erreicht werden kann. Unter anderem fordern sie, gemäß des Green Deals der EU, den Ausbau von erneuerbaren Energien und der hierfür erforderlichen Stromnetze zu beschleunigen sowie klimafreundlichere Infrastruktur und energetische Gebäudesanierung voranzutreiben. Initiiert wurde das Schreiben von der „Stiftung 2 Grad“, einer Initiative von Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern und Familienunternehmern. Unterzeichnet wurde es von Firmen wie Eon, Bayer, SAP und Rossmann, also namhaften Vertretern aus allen relevanten Branchen. Ziel ist, die Politik zur Etablierung effektiver marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen für den Klimaschutz anzuhalten und die Lösungsexpertise deutscher Unternehmen zu unterstützen.

Club of Logistics: Unter dem Titel “Die grüne Transformation Europas – (k)ein Problem für die Logistik” und mit spannenden, teils kontroversen und provokanten Talk-Themen fand am Montag und Dienstag in Leipzig der 37. Kongress des Club of Logistics statt. An Tag 1 hielt Michael Kretschmer, der Ministerpräsident von Sachsen, das Grußwort, dann warteten vier Talkrunden zum Thema Klima auf die Teilnehmenden. Am zweiten Kongresstag folgte dann unter anderem ein Besuch bei Pamyra.de, Mitglied im Club of Logistics. Der Club “versteht sich als visionärer Think Tank und Kreativitätsquelle für die europäische Logistikindustrie“.