Neue Mobilitätsdimensionen in der Logistik

Vernetztes Fahren als Chance für mehr Wertschöpfung

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Neben dem autonomen Fahren steht mit dem vernetzten Fahren die nächste große Mobilitätsrevolution vor der Tür. Vernetztes Fahren soll den Straßenverkehr sicherer, effizienter, komfortabler und ökologischer machen. So kann die Logistik profitieren:

Zahlreiche Fahrzeuge verfügen bereits über allerlei leistungsfähige Assistenzsysteme. Aktuell wird breit über den Abbiegeassistent diskutiert. Vollautomatisierte Systeme gehen noch einen Schritt weiter und können die Fahrzeugführung zumindest in manchen Situationen komplett übernehmen. Zum Beispiel können Systeme automatisch den Abstand zum Vorderfahrzeug einhalten, die Spurhaltung kontrollieren und künftig auch den Spurwechsel übernehmen. Als autonome Systeme bezeichnet man diese Systeme, die keinen Fahrer mehr zur Steuerung benötigen. Pilotprojekte zum Autonomen Fahren finden bereits auf deutschen Autobahnen statt. Nun hat das EU-Parlament neue Bestimmungen der EU-Kommission gebilligt, welche einen Rechtsrahmen für die Einführung von kooperativen intelligenten Verkehrssystemen im Straßenverkehr schaffen. Laut Medienberichten hatten die Abgeordneten bei der Abstimmung keine Einwände gegen das neue Regelwerk, welches das Vernetzte Fahren ermöglichen soll.

Vernetztes Fahren, was ist das eigentlich? Als Vernetztes Fahren wird die Kommunikation von Fahrzeugen (Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation) sowie zwischen Fahrzeugen und Infrastrukturen (Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation) bezeichnet. Die Bestimmungen sollen einen rechtlichen Rahmen dafür schaffen, dass Fahrzeuge künftig untereinander und mit Infrastrukturen wie Ampeln, Baustellen und Straßenschilder Daten austauschen können. Die erfassten Daten werden aufbereitet und als Informationen zur Übermittlung bereitgestellt. Angebot und Qualität wie u.a. Aktualität und Genauigkeit der Informationen werden dadurch deutlich erhöht. Verkehrsbezogene Informationen wie Verkehrsfluss, Baustellen, Unfälle oder Wetterlagen werden über Sensoren erfasst und via Funktechnologie ausgetauscht. Gefahren wie ein Unfall oder Stauende können von vorausfahrenden Fahrzeugen als Warnmeldung an nachfolgende Fahrzeuge weitergegeben werden. Unklar ist noch, über welche Technologie kommuniziert werden soll. In Frage kommen die schon verfügbare W-LAN-Technologie oder 5G-Lösungen, welche derzeit noch weniger ausgereift, dafür aber leistungsfähiger sind. Das EU-Parlament unterstützt die von der EU-Kommission vorgeschlagene W-LAN-Technologie, da diese schneller umsetzbar ist. Fahrzeughersteller und die Deutsche Telekom bevorzugen eine Lösung auf 5G-Basis. Mitte März waren die neuen Regelungen verabschiedet worden. Parlament und EU-Rat haben zwei Monate Zeit, Veto gegen die Bestimmungen einzulegen. Bis Mitte Mai können nun nur noch die Verkehrsminister der Mitgliedstaaten im EU-Rat die Bestimmungen zu Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS) ausbremsen.

Mit den neuen Möglichkeiten bekommt Mobilität eine neue Dimension. Durch automatisiertes und vernetztes Fahren stehen wir, wenn man so will, vor einer Mobiltätsrevolution. Die künftig mögliche Echtzeit-Daten-Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur macht den Verkehr vorhersehbar und Staus sowie Unfälle vermeidbar. Fahrzeuge werden durch die Vernetzung zu volldigitalisierten Informations- und Kommunikationsplattformen. Der Verkehr kann sicherer, komfortabler, effizienter und umweltverträglicher abgewickelt werden. Auch auf die Abwicklung logistischer Prozesse wird die Revolution große Auswirkungen haben. Wie das automatisierte Fahren, wird auch das vernetzte Fahren die Logistik nachhaltig verändern. Vor allem bieten sich der Logistik Potentiale, die Transportkosten zu senken und Prozesse effizienter zu gestalten. Studien haben allen voran auch den dramatischer werdenden Mangel an Fahrern und Kostendruck als Haupttreiber für das automatisierte und vernetzte Fahren in der Logistik ausgemacht. Obwohl bei den Logistik-Akteuren ein sehr großes Interesse an der Einführung der neuen Konzepte herrscht, bedarf es für eine erfolgreiche Integration vorrangig einer Nutzen-Identifizierung für die Unternehmen. So ist es aus Sicht der Logistik zunächst notwendig, die Abläufe in kompletten Logistikketten zu ermitteln und deren ökonomische und verkehrliche Wirkung einzuschätzen. Wesentlicher Aspekt sind dabei auch potentielle neue Geschäftsmodelle. Wesentliches Hemmnis für die Einführung entsprechender Konzepte ist derzeit vor allem noch die fehlende durchgehende Digitalisierung in der Logistikbranche.

ATLaS-Projekt: Akzeptanzförderung des automatisierten und vernetzten Fahrens

Um akzeptierte Einsatzszenarien zu erfahren, untersucht das Projekt ATLaS Einflüsse des automatisierten und vernetzten Fahrens auf die Logistikkette. Das Institut Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität Hamburg und das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt haben sich zusammengefunden, um die Akzeptanzbedingungen des automatisierten und vernetzten Fahrens im Straßengüterverkehr zu erhöhen und damit die Logistikkette der Zukunft mitzugestalten. Das Projekt zielt also darauf ab, einen breiten Zuspruch für das automatisierte und vernetzte Fahren von den Akteuren in der Logistik zu erlangen, damit die Technologie erfolgreich umgesetzt und für den Güterverkehr auf den Markt gebracht werden kann:
www2.tuhh.de

Kassel: Ford testet vernetztes Fahren im Digitalen Testfeld

In Kassel befindet sich eines der wenigen Digitalen Testfelder in Deutschland, auf denen unter realen Verkehrsbedingungen das vernetzte Fahren erprobt werden kann. Ford hat dabei als einer der ersten Fahrzeughersteller die ausgestrahlen Daten erfolgreich empfangen und korrekt interpretieren können. An verschiedenen Ampelanlagen wurden sogenannte Roadside Units installiert, durch welche es möglich ist, dass Ampeln und entsprechend ausgestattete Fahrzeuge miteinander kommunizieren können. „Ein Ampelphasen-Assistenz-System kann in Zukunft die Effizienz des innerstädtischen Verkehrs steigern, indem die Anzahl der Halte vor Ampelkreuzungen reduziert wird. Dazu gibt das System Geschwindigkeitsempfehlungen, damit Verkehrsteilnehmer möglichst energieeffizient an Ampeln heranfahren können. Verkehrsplaner, die IT-Branche und die Automobilindustrie arbeiten dafür interdisziplinär zusammen. Diese Kooperation ist auch wegweisend für die Zukunft des automatisierten Fahrens“, so Dr. Urhahne, Ingenieur bei Ford in der Forschung und Vorausentwicklung. Die Stadt Kassel nutzt die Technik im ersten Schritt, um eine Beschleunigung des öffentlichen Nahverkehrs zu erproben. Bis Ende 2020 sollen in Kassel 60 Kreuzungen mit Fahrzeugen kommunizieren können:
www.stadt-kassel.de

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