Systemrelevant, stabil oder mit drastischen Einbußen

Logistikbranche geteilt: Wer derzeit profitiert und wer eher verliert

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Während in manchen Bereichen das Geschäft zum Erliegen kam, herrscht bei anderen derzeit Hochbetrieb. Die Corona-Pandemie bringt viele Spediteure in eine extreme und sehr schwierige Lage. Doch es gibt auch Unternehmen, deren Leistungen nun stärker gefragt sind als sonst. Gerade diejenigen, die systemrelevante Fracht transportieren:

Seit letzter Woche ist es fix: Die Kontakt-Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie bleiben bis 3. Mai bestehen. Bereits ab 20. April sollen dagegen Läden und Boutiquen sowie Möbel- und Autohäuser bis 400 Quadratmeter Ladenfläche öffnen dürfen. Ab 4. Mai könnte das dann auch für größere Geschäfte gelten. Darauf verständigte sich die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder. Derweil will das Innenministerium weiterhin an den Grenzkontrollen zu den Nachbarländern festhalten, wie bekannt wurde. Die Transport- und Logistikbranche muss also auch zukünftig mit den damit einhergehenden Einschränkungen und Verzögerungen leben. Die schwierige Phase für die Logistik dauert somit weiterhin an.

Währenddessen legt in China die Produktion bereits wieder zu. Die Beschränkungen dort sind wegen der offiziell nur noch wenigen Neuinfektionen allmählich aufgehoben. Das spürt auch der internationale Güterverkehr. Nachdem in China die Fabriken angelaufen sind, ist die Logistik in Europa stärker gefordert und erwartet eine Welle. „Wir registrieren steigende Sendungsvolumina“, erklärt Sarah Preuß, Pressesprecherin der Deutsche Post DHL Group (DPDHL). Auch die Zugzahlen von China nach Deutschland steigen wieder, teilte etwa DB Cargo mit. Spediteure wie Produzenten stehen dennoch vor großen Herausforderungen, da es neben Containern, die ihren Weg nach China wegen der Krise nicht zurück fanden, auch an Abnehmern fehlt. Licht am Ende des Tunnels sieht VW-Konzerntochter Traton. „Es gibt in China auch schon wieder Bestellungen für Scania-LKW, die wir im Moment aber nicht bedienen können, weil wir die Produktion vorläufig stoppen mussten“, so der Traton-Chef Andreas Renschler. Traton hatte sowohl in Europa als auch in Südamerika die Produktion weitestgehend zurückgefahren. Hingegen hat Dachser nun den ersten Güterzug über die Neue Seidenstraße organisiert. Im Auftrag des Chemiekonzerns BASF hat der Dienstleister die komplette Logistik des Testzugs mit 42 Containern übernommen. 14 Tage ging die Reise des Komplettzugs vom Kombi-Terminal Ludwigshafen über Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan bis zur zentralchinesische Stadt Xi´an. Von dort organisierte Dachser Nordchina die Verzollung und LKW-Verteilung der Ware an die Empfänger. „Schneller als Seefracht, kostengünstiger als Luftfracht, sehr gut planbar und zuverlässig: Für bestimmte logistische Anforderungen können Schienenverkehre nach China über die ‚Neue Seidenstraße‘ zur wertschaffenden Alternative zu Luft- und Seefracht werden“, so Managing Director Krüger.

Noch bis vor wenigen Wochen kamen aus China nahezu keine Produkte, was für die davon abhängigen Branchen wie ein Desaster war. China ist für Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner. Aus keinem anderen Land der Welt wurden in 2019 mehr Güter eingekauft. Bei den Exporten steht China aus deutscher Sicht auf Platz drei, hinter USA und Frankreich. Wie sich die Krise auf die Beziehungen auswirkt, lässt sich bisher noch nicht feststellen. Bei einem Großteil der aus China hierher importierten Waren handelt es sich um Konsumgüter.

Trotz Neuer Seidenstraße spürt man aber auch beim Branchenprimus Dachser die Folgen der Corona-Krise. Die Ziele für das Jahr 2020 wurden bereits angepasst. Mengenrückgänge im Industriegütergeschäft sind im Angesicht der Einschränkungen unvermeidbar. „Allerdings sind wir, was Serviceportfolio und Kundenstruktur angeht, bewusst breit aufgestellt, sodass wir uns an veränderte Rahmenbedingungen gut anpassen können. Im Lebensmittelbereich sind wir als Logistiker systemrelevanter Baustein der Grundversorgung, hier rechnen wir mit einem relativ stabilen Geschäft“, so Dachser-CEO Bernhard Simon. Neben einem breiten Portfolio und Kunden aus verschiedenen Branchen hat Dachser den Vorteil, keinen eigenen Fuhrpark zu haben – was in der Krise nun flexibler sein lässt. Weniger optimistisch zeigen sich da vor allem kleinere Unternehmen. Laut Bayerischem Rundfunk komme es auch stark auf die Warengruppen an, auf die ein Logistiker spezialisiert ist. Der BR hat Logistiker in Bayern zu den Krise-Folgen befragt. Unternehmen, die “Lebensnotwendiges” transportieren, könnten aktuell wohl rund um die Uhr fahren. Andere verzeichnen „drastische Einbußen“ wie beispielsweise die Spedition Finsterwalder im Unterallgäu. Das Unternehmen transportiert Produkte der chemischen Industrie, der Papierindustrie sowie Güter für den Maschinenbau. Andreas Schmid Logistik versucht die schlechte Auftragslage aus dem produzierenden Gewerbe in anderen Bereichen zu kompensieren. Lieferungen im medizinischen Bereich, im stationären und im Online-Handel laufen wohl gut. Vor allem der Lebensmitteleinzelhandel ist derzeit auch auf intakte Lieferketten und eine funktionierende Logistik angewiesen. Die funktioniert auch, die Supermarktregale sind weitestgehend gut gefüllt. Zurückgegangen sind dagegen stark die LKW-Lieferungen für die Industrie und das verarbeitende Gewerbe. Eingebrochen um mehr als 50 Prozent ist auch der Mineralöltransport. Und auch Online wird trotz allem eingespart. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) meldet einen E-Commerce-Einbruch im März um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Parallel dazu wächst das Versandvolumen derzeit kräftig und KEP-Dienstleister verzeichnen teils massive Steigerungen. Laut BEVH haben dabei aber nur Online-Anbieter Freude, die Lebensmittel, Drogeriewaren, Medikamente und DIY- bzw. Baumarkt-Sortimente führen. Steigende Paket-Zahlen und Mengen auf „Vorweihnachts-Niveau“ meldete jüngst z.B. DHL. Zwar hatte sich noch zu Beginn der Einschränkungen kein nennenswerter Effekt bemerkbar gemacht, jetzt aber sehe man „eine täglich steigende Zahl von Sendungen, deren Menge mittlerweile sehr spürbar über der des Vorjahres zu dieser Zeit liegt“, so ein Post-Sprecher. Bei der Konkurrenz gibt es nicht überall ganz so positive Effekte. Bei UPS zeigt sich kein solcher Effekt, da insbesondere die Geschäftskunden für den Dienstleister wichtig sind, etwa große Automobilhersteller. Bei DPD sei das Paketvolumen insgesamt „stabil“. Pakete von Geschäftskunden gebe es weniger, dafür steigt die Menge der Sendungen an Privatkunden.

„Bei vielen unserer Mitgliedsunternehmen gehen wir davon aus, dass sie die aktuellen Herausforderungen mit ihren Belegschaften meistern. Sicher gibt es auch Kurzarbeit bei Speditionen, dennoch sind wir vom Verband zuversichtlich, dass wir unsere Aufgaben, unter anderem auch die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, meistern. Jetzt in der Krise wird vielen Menschen bewusst, dass zum Beispiel Lastwagen Autobahnen nicht nur verstopfen, wie ein Vorurteil ist, sondern die wichtigen Lieferketten aufrechterhalten.“
Karlhubert Dischinger, Präsident Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL)

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