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Herausforderung Corona: Auch wirtschaftlich immer mehr Infizierte

Aktuelle Folgen und Entwicklungen in der Transportlogistik

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Die veränderten Umstände fordern uns allen viel Kreativität, Ausdauer und Umdenken ab. Neben gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen erschüttert die Corona-Krise allen voran wirtschaftlich. Auch für die Logistikbranche hält die momentane Situation große Herausforderungen bereit. Einige Unternehmen bemühen sich schlichtwegs um die Aufrechterhaltung ihres Betriebs. Wie die Branche mit den Entwicklungen umgeht:

In der Wirtschaft reiht sich aktuell eine Hiobsbotschaft an die nächste. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen ist schlecht. Das Ifo-Geschäftsklima brach im April um 11,6 Punkte auf 74,3 Zähler ein – ein historisches Tief und der niedrigste jemals gemessene Wert. Einen stärkeren Rückgang hat es bisher noch nicht gegeben. Das ist allen voran auf die massive Verschlechterung der aktuellen Lage zurückzuführen. Die Unternehmen blicken zunehmend pessimistisch in die Zukunft. Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.

Auch die Hamburger Spediteure klagen – über einen hohen Rückgang im Export und Import. Eine Umfrage des Verein Hamburger Spediteure (VHSp) bei seinen Mitgliedsunternehmen zeigte, dass die Spediteure derzeit durchschnittlich einen Rückgang im Exportgeschäft von 32,5 Prozent und einen Rückgang im Importgeschäft um gar 36 Prozent verzeichnen. Volle 40 Prozent der befragten Unternehmen mussten infolgedessen bereits Kurzarbeit anmelden. Eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge haben dagegen knapp 7 Prozent beantragt.

„Wir hoffen, dass die Wirtschaft bald wieder ins Rollen kommt. Spätestens in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen wir mit einer Produktionssteigerung im internationalen Bereich, insbesondere im fernöstlichen Teil der Erde. Wir gehen ganz stark davon aus, dass die Importe dann wieder zulegen werden. Wie sich der Export verhält, ist schwer einzuschätzen, da eine Vielzahl an innerdeutschen Produktionsstätten gänzlich gen Null fahren musste. Es kann zurzeit nicht beantwortet werden, wann an das Niveau der letzten Jahre angeknüpft werden kann. Aber ich kann im Namen unserer Mitglieder sprechen, dass erfreulicherweise rund 95 Prozent der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass Entlassungen gegenwärtig keine Option darstellen“, meint Willem van der Schalk, Vorsitzer des VHSp.

Der europäische Nutzfahrzeugmarkt ist indes im März um fast die Hälfte eingebrochen. Mit 105.196 Fahrzeugen wurden 47,3 Prozent weniger zugelassen als noch im Vorjahresmonat, teilte der zuständige Branchenverband Acea mit. Am stärksten fielen die Rückgänge in den derzeit besonders schwer gebeutelten Ländern Italien (minus 66,1 Prozent), Spanien (minus 64,4 Prozent) und Frankreich (minus 63,1 Prozent) aus. Im ersten Jahresviertel 2020 belief sich das Minus auf 23,2 Prozent – in Summe wurden 413.327 Nutzfahrzeuge zugelassen.

Viele Transportdienstleister tun sich scheinbar auch immer schwerer, Ladungen für ihre LKW zu finden. Laut Mautstatistik des Bundesamt für Güterverkehr (BAG) ist die Fahrleistung im ersten Quartal zwar fast auf Vorjahreswert – in Q1 des Jahres 2020 lag die Fahrleistung der LKW ab 7,5 Tonnen auf mautpflichtigen Straßen bei rund 10,2 Milliarden Kilometer, was einem Minus um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – doch den Ergebnissen des Transport Market Monitor (TMM) zufolge steigt der freie Laderaum massiv. Im April 2020 gibt es laut TMM-Kapazitätsindex gar einen Rekord an freien Laderaum-Kapazitäten in Europa. Demnach ist der Index im April auf 179,5 Indexpunkte – und damit auf ein neues Rekordhoch geklettert. 65 Prozent mehr freie Transportkapazität in Europa im Vergleich zum April 2019. Mehr freier Frachtraum übt automatisch auch Druck auf die Frachtraten aus, was sich dann wiederum am Transportpreisindex des TMM ablesen lässt. Dieser ist im Vergleich zum April des Vorjahres um ca. 12 Prozent auf 92,5 Punkte gesunken – Rekordtief für den Preisindex.

Überschüssige Kapazitäten und niedrigere Transportpreise in Europa sind laut Tim Consult vor allem Folge der sinkenden Nachfrage aus der Industrie: Alleine in der Automobilbranche stünden derzeit 50 Prozent mehr an Transportkapazitäten frei als noch vor einem Jahr. „Der Vormonatstrend steigender Überkapazitäten im europäischen Markt für Straßentransport setzt sich fort. Auch wenn wir den aktuellen Lockerungen der Corona Maßnahmen positiv entgegensehen, so wird es sicher noch dauern, bis wir zu einem branchenweiten Vorkrisenniveau zurückkehren.“ so Oliver Kahrs, Geschäftsführer von Tim Consult. Erich Staake, CEO bei Duisport, fordert hier mehr Rückhalt für die Transportunternehmen und übt deutliche Kritik an der verladenden Wirtschaft aufgrund ihrer derzeitigen Preispolitik. Der Duisport-Chef befürchtet ein „nie dagewesenes Speditionssterben“. Auch der VHSp hat hier eine klare Botschaft und verlangt von seinen Partnern faires Handeln in der aktuellen Krise.

Michael Lange, Geschäftsführer der T&P Transport-Logistik-Service GmbH, versucht trotz starker finanzieller Einbußen Gutes aus der Krise zu ziehen. „Für uns kann die Krise positive Ergebnisse bringen, bei all den negativen Sachen, die es gibt“, Das sei zum Einen, dass das Team gewachsen sei, die Bereiche gut zusammenarbeiten und sich unterstützen. „die zweite Sache ist, dass der Beruf des Berufskraftfahrers, des Auslieferungs- oder Paketdienstfahrers im Augenblick gesamtgesellschaftlich viel besser anerkannt wird. Und das bleibt hoffentlich auch nach der Corona-Krise so.“ Auch Willy Schnieders, seit 10 Jahren Bundesvorsitzender der Kraftfahrergewerkschaft (KfG), wünscht sich nachhaltige Anerkennung für den Beruf des LKW-Fahrers. „Das bedeutet auch eine finanzielle Aufwertung seiner Leistungen.“ Zunächst müssten aber gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Krise gemeistert werden. Die Spedition Lange und Töchter hatte gerade in die Zukunft investiert und eine neue Lagerhalle gebaut. Dann kam Corona. Die Aufträge brachen um 50 Prozent ein, die halbe Belegschaft wurde in Kurzarbeit geschickt. Dazu kommt der ruinöse Preiskampf, der die Lage erschwert. Auch Firmenchefin Romy Lange setzt in der Krise nun vor allem auf eines: Zusammenhalt.

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