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Level 4: Das System übernimmt nun die Kontrolle

Rennen um autonomes Fahren auf Hoch­touren

Corona hat die digitale Transformation in vielerlei Hinsicht rasant vorangetrieben. KI soll die Kundenakquise vereinfachen, die Erwartungen an die Qualität werden steigen und die Automatisierung von Prozessen wird einige Aufgaben überflüssig machen. In der Transport- und Logistikbranche ist der Wandel schon länger unverkennbar. In den letzten Jahren entstand eine Vielzahl an technischen Entwicklungen – weitere werden folgen. Ein Trend dieser Dekade wird die Entwicklung autonom fahrender LKWs sein.

Die Autoindustrie hat bereits verschiedene Modelle automatisierter Systeme zum Überholen, Spurwechseln, Einparken oder Bremsen hervorgebracht. Fahrassistenzsysteme sind längst zum fixen Bestandteil vieler PKWs und LKWs geworden. Mit sinkenden Kosten durchdringen sie den Markt mehr und mehr, wobei die Potenziale zweifellos noch lange nicht ausgeschöpft sind. Autonomes Fahren (o.a. Automatisiertes Fahren) ist einer der ganz großen Trends der nächsten Dekade. Sensorsysteme und KI nehmen den Fahrern schon jetzt vieles ab – beim autonomen Fahren bzw. der Vollautomatisation so eigentlich alles. Den daraus entstehenden Chancen stehen selbstverständlich viele Anforderungen und Herausforderungen gegenüber. 

Die Bundesregierung macht den Weg für autonomes Fahren indes nun frei. Per Beschluss erleichtert die Regierung fortan den Einsatz von autonomen Autos sowie Bussen und macht ihn somit in festgelegten Zonen möglich. Künftig dürfen Pendel-Busse und Güter-Transporte auf kurzen Distanzen im Regelbetrieb fahren. Dies legt ein neues Gesetz fest, welches das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch beschlossen hat. Die Regelungen gelten für das vollautomatisierte Fahren der Stufe vier: Die Fahrzeuge können somit komplett selbstständig unterwegs sein. Ein Fahrer muss nur an Bord sein, um in gewissen Momenten einzugreifen. Das System übernimmt für einen bestimmten Zeitraum oder eine Situation die vollständige Kontrolle über das Fahrzeug und muss auch nicht überwacht werden. Muss das System den Modus verlassen, fordert es den Fahrer zur Übernahme auf. Erfolgt das nicht, stellt es einen “risikominimalen Zustand” her. Was bedeutet, dass das Fahrzeug z.B. zum Stehen gebracht wird. In Stufe fünf ist der Mensch nur noch Passagier und muss nur im Notfall aktiv werden. 

Laut Verkehrsministerium ist Deutschland das erste Land, das selbstlenkende Fahrzeuge in den Regelbetrieb bringt. Bis dato waren autonome Fahrzeuge nur mit Sondergenehmigung bspw. auf Betriebsflächen als s.g. People Mover unterwegs. Das große Ziel ist das komplett autonome Fahren. Wenn es nach Bundesverkehrsminister Scheuer geht, soll Deutschland sogar weltweiter Vorreiter beim autonomen Fahren werden und Fahrzeuge ohne Fahrer als erster Staat aus der Forschung auf die Straße bringen. Bis zum Jahr 2022 sollen autonome Funktionen im Regelbetrieb laufen, wobei der Betrieb dieser führerlosen Fahrzeuge für eine maximale Zahl von Einsatzszenarien ermöglicht werden soll, zu denen Folgende zählen: 

  • Shuttle-Verkehr
  • People Mover
  • Hub2Hub-Verkehr
  • nachfrageorientierte Angebote in Randzeiten
  • Beförderung von Personen und/oder Gütern auf der ersten oder letzten Meile
  • “Dual Mode Fahrzeuge” wie etwa beim Automated Valet Parking (AVP)

Allerdings muss sich der Bundesverkehrsminister sputen, um dieses Ziel zu erreichen. Denn in Schweden hat Scania eben grünes Licht für erste Testfahrten mit einem autonomen LKW auf einer öffentlichen Autobahn erhalten. Scania testet also autonome LKW im Realverkehr:

Bei jetzt genehmigten Fahrten in Schweden soll die Technologie der Stufe vier für autonom fahrende LKW erstmals auf einer öffentlichen Autobahn getestet werden. Scania hat von der schwedischen Verkehrsbehörde grünes Licht dafür bekommen. Der LKW soll zunächst auf einer Strecke von rund 290 Kilometern Produktionswaren für Scania zwischen Lade-Zentren über die Autobahn transportieren. Bei einem erfolgreichen Verlauf dieser ersten Testphase plant Scania im Laufe des Jahres die Teststrecke zu verlängern. „Soweit ich weiß ist Scania das erste Unternehmen in Europa, das diese Technik auf einer öffentlichen Straße und mit kommerzieller Ladung zum Einsatz bringt“, äußert sich der Scania-Projektverantwortliche Hans Nordin. In den USA und China testet Scania bereits autonome LKW im Realverkehr. Erstmals hat Scania 2017 autonom fahrende LKW im Minenverkehr in Australien eingesetzt.

Das Rennen um selbstfahrende Fahrzeuge läuft also auf Hoch­touren. Alle wollen als Erster das Level 5 und damit die höchste Stufe des autonomen Fahrens erreichen. Das autonome Fahren rückt somit auch für den Güterverkehr in greifbare Nähe, der autonome Transport hat die Logistik erreicht! Laut einer EU-Verordnung sind ab 2022 übrigens Assistenzsysteme für neue typgenehmigte Vehikel verpflichtend, die Fahrer in gewissen Situation unterstützen.