Gefahrguttransport

Substanzen mit Gefährdungspotenzial regelkonform transportieren

Gefahrguttransport auf Straße und Schiene, im Luftverkehr oder per Schiff: Wer Gefahrgut transportieren möchte, hat bestimmte gesetzliche Richtlinien zu beachten. Erfahren Sie mehr zum heiklen Thema Gefahrgut.

Worin unterscheiden sich die Begriffe Gefahrgut und Gefahrstoff? Gefahrstoffe weisen im allgemeinen Umgang Gefährlichkeitsmerkmale auf – sie können zum Beispiel giftig, ätzend oder leicht entzündlich sein. Von Gefahrgut wird im Zusammenhang mit seiner Beförderung gesprochen – es handelt sich um Erzeugnisse oder Materialien, die beim Transport zur Gefahr werden können. So gelten etwa Batterien und Munition nicht als Gefahrstoffe, werden jedoch beim Transport als Gefahrgut behandelt – die Beförderung wird zum Gefahrguttransport für die Spedition, den Paketdienst oder sonstigen Transporteur. Wie Ihre Fracht einzustufen ist, ob Sie gerade Gefahrgut transportieren oder nicht, ist gesetzlich geregelt. Potenziell gefährliche Substanzen und Produkte werden nach ihren Grundeigenschaften in neun Gefahrgutklassen sowie weitere Unterklassen eingeteilt. Genauere Informationen zu den unterschiedlichen Gefahrgutklassen und deren Einteilung finden Sie in unserem Ratgeber “Gefahrgutklassen”.

Grenzüberschreitende Vorschriften für den Gefahrguttransport

Für den Gefahrguttransport auf Straße und Schiene, für Binnenschifffahrt, Seeschifffahrt und Flugverkehr gelten separate internationale Rechtsvorschriften:

  • Straßentransport: europaweit ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route, deutsch: Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) und in Deutschland zusätzlich das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBG)
  • Schienentransport: europaweit RID (Reglement concernant le transport international ferroviaire de marchandises Dangereuses, deutsch: Regelung zur internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr)
  • Transport auf Binnengewässern: europaweit ADN (Accord européen relatif au transport international des marchandises dangereuses par voie de navigation intérieure, deutsch: Europäisches Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen)
  • Transport auf See: weltweit Maritime Safety Conventions
  • Luftfahrttransport: weltweit IATA DGR

Wer darf Gefahrgut transportieren?

Als gesamteuropäisches Übereinkommen regelt die ADR die Handhabung in puncto Gefahrguttransport auf der Straße. Die Umsetzung in nationales Recht besorgt in Deutschland das GGBefG (Gefahrgutbeförderungsgesetz). Gefahrgut transportieren dürfen Fahrer, die ihre Qualifikation in Form einer ADR-Bescheinigung nachweisen. Zusätzlich zu einer verpflichtenden Kennzeichnung von Fahrzeug und Gefahrgutladung ist für den Ernstfall eine Notfallausrüstung vorgeschrieben. Einen Gefahrguttransport kann eine Spedition also nur mit zertifiziertem Personal und entsprechender Fahrzeugausrüstung übernehmen. Wer den Gefahrguttransport als Spedition anbietet, wird üblicherweise auch mit der 1000-Punkte-Regel vertraut sein. Diese stellt eine Erleichterung dar – die Regel begünstigt den Gefahrguttransport kleiner Mengen. Überschreitet die Ladung ein gewisses Limit (1000 Punkte) nicht, so darf auf bestimmte Vorschriften verzichtet werden. Bei sinnvoller Nutzung der 1000-Punkte-Regel lassen sich im Gefahrguttransport Kosten einsparen.

Gefahrgut transportieren und Gefahrenpunkte selbst berechnen

Für die Punkteberechnung der Transportladung werden ein stoffspezifischer Wert (je nach Gefahrenpotenzial) sowie das Gewicht bzw. das Volumen des Gefahrgutes multipliziert. Bei weniger als 1000 Punkten wird die Menge als eine Limited Quantity eingestuft. Dann benötigt der LKW-Fahrer keinen ADR-Schein und die Beförderungseinheit ist von der üblichen Kennzeichnungspflicht für den Gefahrguttransport befreit. Das vereinfacht den Gefahrguttransport für die Spedition. Diverse 1000-Punkte-Rechner ermöglichen die unkomplizierte Berechnung von Freimengen. Die Befolgung der Rechtsvorschriften erspart bei einem korrekt durchgeführten Gefahrguttransport Kosten in Form von Bußgeldern.
Zwei Beispiele dazu:

Stoff/UNNR

Menge

Multiplikator gemäß ADR

Punktwert

Limited Quantity?

Kerosin /1223

800l

1

800

Ja

3101

30l

50

1500

Nein

Gefahrguttransport mit Gefahrzettel und Gefahrentafel kennzeichnen

Um Gefahrgut transportieren zu dürfen, sind im Sinne der öffentlichen Sicherheit Transportmaschine und Transportbehälter zu kennzeichnen. Realisiert wird dies mittels Gefahrzettel und Warntafel, darüber hinaus mit Ausrichtungspfeilen zur Lagekennzeichnung flüssiger Substanzen. Der Gefahrzettel enthält – als auf die Spitze gestelltes Quadrat – oben das Gefahrensymbol und unten den Nummerncode der jeweiligen Gefahrgutklasse. Die Warntafel oder Gefahrentafel ist bei einem Gefahrguttransport entweder orangefarben neutral oder weist zusätzlich zwei Nummern in schwarzer Schrift auf – Letzteres dann, wenn der Gefahrguttransport loses, unverpacktes Gefahrgut mit sich führt: Hierbei gibt die obere Zahl über die Art der Gefahr Auskunft, die untere ist die betreffende Stoffnummer (UNNR). Entsprechende Detail finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema Gefahrgutkennzeichnung.

Außerdem müssen korrekt ausgefüllte Beförderungspapiere mitgeführt werden, die einer bestimmten Form folgen und folgende Informationen enthalten müssen:

  • UN-Nummer des Gefahrgutes
  • Name
  • Gefahrzettel
  • Haupt- und Nebengefahren
  • Verpackungsgruppe
  • Menge
  • Freigrenze
  • Tunnelbeschränkungen
  • Namen und Adressen von Absender und Empfänger

Gefahrguttransport und Kosten

Ein Gefahrguttransport ist mit Kosten verbunden, die zusätzlich zum Normaltarif verrechnet werden. Die verpflichtende Befolgung der Regularien führt beim Gefahrguttransport für die Spedition zu einem Mehraufwand. Für einen Gefahrguttransport werden Kosten anfallen, die von der Gefahrgutklasse des beförderten Gefahrguts abhängen können. Wie hoch beim Gefahrguttransport die Kosten sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Meist werden für den jeweiligen Gefahrguttransport die Kosten vom Transportunternehmen individuell berechnet – im Paketversand sind hingegen Festpreise die Regel. Bei einem Gefahrguttransport, der nicht über Bundesautobahnen geführt werden soll, fallen zusätzliche Gebühren für Einzelfahrgenehmigungen an.

Für den Gefahrguttransport die geeignete Spedition beauftragen

Die Regelungen für den korrekt durchgeführten Gefahrguttransport werden laufend aktualisiert. Sie folgen Neuentwicklungen bei der Klassifizierung von Chemikalien, neuen Risikobewertungen sowie geänderten Rahmenbedingungen bei den einzelnen Verkehrsträgern. Für die richtige und optimale Umsetzung der umfassenden Richtlinien ist einschlägiges Fachwissen erforderlich. Gefahrguttransport kann eine Spedition dann anbieten, wenn sie über entsprechend ausgebildete Fahrer sowie die vorschriftsmäßige Ausrüstung verfügt. Unser Tipp: Nutzen Sie den Versandkostenrechner von Pamyra.de und vergleichen Sie viele Speditionen, die einen Gefahrguttransport anbieten! Dann können Sie sicher sein, auch tatsächlich die richtige Spedition für Ihren Gefahrguttransport zu beauftragen.

 
 
 

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